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Psychisches Trauma
     
 

Kriminalitätsopfer müssen in der Regel eine Vielzahl von Konsequenzen tragen, die sowohl psychischer als auch physischer Natur sind. So ist das Wissen über finanzielle Schädigungen und körperliche Verletzungen durch eine Straftat meist weit verbreitet. Die psychischen Folgen sind jedoch vielen nicht bekannt.

Verbrechensopfer, die ein psychisches Trauma erleiden, beschreiben ihr Befinden oft mit folgenden Worten:
„Nichts ist mehr so, wie es vorher war”.

Die sich dahinter verbergenden Symptome kennzeichnen ein psychisches Trauma.

Das Wort „Trauma” kommt aus dem Griechischen und bedeutet Verletzung. Ein traumatisches Ereignis wird als ein direkt erlebtes oder beobachtetes Ereignis beschrieben, das mit Todesgefahr oder einer Gefährdung der körperlichen Unversehrtheit der eigenen oder anderer Personen sowie mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und bei dem die eigenen Handlungsmöglichkeiten als unzureichend für die Bewältigung der Situation erlebt werden (nach DSM-IV, Göttingen 1996).

Dieses Gefühl der Machtlosigkeit trägt zu einer dauerhaften Erschütterung eines gefestigten Selbst- und Weltverständnisses bei, das sich folgendermaßen beschreiben lässt (definiert durch vier Aussagen; Sebastian 2014):

  • Ich kann mich auf die anderen Menschen und die Welt verlassen
  • Das Leben wird mich – und andere – nicht unschuldig verletzten
  • Das Leben ist planbar
  • Ich kann für mich selber sorgen

Da Verbrechensopfern im Zuge einer Straftat etwas durch andere Menschen angetan wird, entwickeln manche Betroffenen großes Misstrauen gegenüber anderen. Dies kann im Extremfall zu einem völligen Rückzug aus der Gesellschaft führen.
Es entsteht möglicherweise ein Gefühl der Hilflosigkeit. Dies kann letztlich die Fähigkeit, das eigene Leben zu bewältigen, einschränken.
Kriminalitätsopfer leiden häufig an psychosomatischen Folgen, also an körperlichen Reaktionen auf seelische Belastungen.
Bestimmte Reize wie etwa ein Geräusch, das an die Tat erinnert, lösen nicht nur Erinnerungen aus. Sie bewirken auch Stressreaktionen im Körper, zum Beispiel Herzrasen oder steigenden Blutdruck.

 
     
 
 
     
 
3 Phasen:
  • Das traumatische Ereignis löst zunächst eine Schockreaktion aus. Diese äußert sich in Aufgeregtheit, Verwirrtheit oder Traurigkeit, in der Unfähigkeit, sich an wichtige Daten zu erinnern, in Wutgefühlen oder Betäubtsein. Dieser Zustand kann von einer Stunde bis zu mehreren Tagen dauern.
  • Darauf folgt die Einwirkphase des Traumas, die zwei bis vier Wochen anhalten kann. In dieser Phase klingen akute Belastungsreaktionen ab, die Betroffenen sind jedoch von dem Ereignis innerlich noch völlig in Anspruch genommen. Starke Selbstzweifel treten auf, häufig auch Hoffnungslosigkeit, Depressionen, Gefühle der Ohnmacht und einer überschatteten Zukunft. Manche haben Schuldgefühle wegen vermeintlicher eigener Fehler, es kann aber auch zu Wutanfällen und heftigen Anschuldigungen gegen mögliche Verursacher/innen kommen.
  • In der anschließenden Erholungsphase beginnen sich einige Betroffene vom Trauma zu erholen. Noch immer ist das traumatische Ereignis von zentraler Bedeutung. So kann es lange dauern, bis es verarbeitet ist, also in die Sicht der Welt und in das Verständnis der eigenen Person einbezogen ist.
 
     
 
 
     
 
Posttraumatische Belastungsstörung:

Bestehen wesentliche Symptome über vier Wochen hinaus fort und bleibt die Erholungsphase aus, so spricht man von einer Posttraumatischen Belastungsstörung oder von einem Psychotraumatischen Belastungssyndrom (PTBS). Kernsymptome der Belastungsstörung sind das Wiedererleben des traumatischen Erlebnisses, die Vermeidung bestimmter Situationen und Örtlichkeiten, die zum Wiedererleben führen könnten, und die erhöhte Reizbarkeit der betroffenen Person. Bei Opfern von Gewaltverbrechen zeigt sich eine Besonderheit in der psychischen Lage:

Die klassischen Symptome der PTBS sind vorhanden. Aber da es sich um ein von Menschen absichtlich verursachtes Ereignis handelt, werden das Verhältnis zu anderen Menschen und das ganze Sozialleben beeinträchtigt. Es kommt zu Rückzugsverhalten, Minderung der Kontaktfähigkeit und sozialer Isolation. Daraus ergibt sich bei Gewaltopfern ein besonders starkes Vermeidungsverhalten, da nun zahlreiche soziale Situationen als bedrohlich erlebt werden. Es kommt zu anhaltender und generalisierender Angst und zu häufigen psychosomatischen Beschwerden.

Neben der PTBS oder darüber hinaus werden auch andere, weniger spezifische psychische und psychosomatische Traumafolgen beschrieben.

 
     
 
Der Traumatisierte ist nicht verrückt, sondern er reagiert normal auf ein verrücktes Ereignis.